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Draußen wird es langsam Nacht. Ein dunkler Schatten legt sich über das kleine Holzhäuschen am Fuße des Berges. Im Haus ist es ganz still. Alles schläft. Fast alles In einem kleinen Zimmer neben der Stube liegt Cleo wach in ihrem Bett. Sie kann nicht schlafen obwohl sie es versucht. Immer und immer wieder hört sie diese leisen Stimmen zu sich sprechen. Freundliche Kinderstimmen. Sie klingen als würden sie miteinander spielen. Das kleine Mädchen rappelt sich auf. Ganz vorsichtig, der Lattenrost des Holzbettchens darf nicht knarren sonst würden ihre Eltern wach. Wieder Stimmen. Sie lachen und kreischen. Cleo lauscht aufmerksam um etwas zu verstehen, aber es ist so ein Stimmenwirrwar. Nein! …Sie redet sich ein dass sie träumt und lässt ihren kopf in das Kissen sinken. Doch was war das? Da war es wieder und dabei ist sie doch hellwach. Vorsichtig tapst sie barfuß über die maroden Holzdielen in Richtung der Stimmen. Sie führen sie zum Fenster. Noch in die Wolldecke eingemummelt kauert sie sich auf den schmalen Fenstersims und reibt sich die verschlafenen Äuglein. Cleo hat ein wenig mit dem Fenster zu kämpfen, als sie es nach oben aufschieben will. Lange war es verschlossen. Sie überlegt ob sie es jemals schon geöffnet hat alsbald ihr Blick nach draußen schweift. Auch über die Blumenwiese hinterm Haus hat die Dunkelheit ihre Macht ausgebreitet. Gerade einmal bis zu dem kleinen Bach, indem sie früher so gern ihre Füße baumeln lies, kann sie sehen. Danach versinkt alles im schwarzen Dunst der klirrend kalten Nach. Nein, hier kommen die Kinderstimmen wohl nicht her. Seufzend legt sie ihren Kopf in den nacken. Ob sie doch nur geträumt hat? Sie dämmert schon wieder weg, fort in ihre Traumwelt, da fallen ihr die hellen, strahlend leuchtenden Punkte am Himmel auf und mit einem mal nimmt sie auch wieder die Kinderstimmen war. Jetzt jedoch klingen sie viel näher und Cleo kann verstehen was sie sagen. „Schau doch! Hier sind wir. Ja, hier oben. Komm doch und tanz mit uns!“ Cleo starrt gebannt an den Himmel und flüstert leise:“ Was seit ihr denn? Ich habe euch noch nie gesehen. Und was macht ihr hier in der Dunkelheit? Habt ihr keine Angst dass sie euch verschluckt, so wie alles andere?“ „was Angst?“ ,rufen die quirligen Lichter vom Himmel „Nein, wir doch nicht. Wir sind doch Sterne, wir brauchen die Dunkelheit, denn in ihr können wir tanzen und unseren Glanz an dich schenken und dir Freude bereiten“ „Sterne also“, nuschelt Cleo verwundert. „Ihr seht aber wunderschön aus. Und wie ihr strahlt. So herrlich hell. Warum wart ihr sonst nicht da, wenn die Dunkelheit mir Angst einflößte?“ Auf einmal verstummt da fröhliche Gelächter und eine fragende Stille hält Einzug. Ein besonders heller Stern übernimmt das Kommando und tritt ganz nah zu dem kleinen Mädchen, das da eingekuschelt am Fenster sitzt, und spricht und spricht mit tadelnder Stimme:“ Das hättest du nicht sagen sollen. Weißt du kleine Lady, sie wissen nicht was sie sind, deshalb sind sie so erstaunt über deine Worte, doch ich will es dir erzählen“ Der Stern schlüpft unter dem herauf geschobenen Fenster hindurch und legt sich in den Schoß des Mädchens. Cleo hat ihren Mund vor staunen weit offen und ist nun fast ein wenig geblendet von dem hell funkelnden Stern. „ Nun kleine Lady, die Sache ist die: Die kleinen Lichter, die du am Himmel siehst, sind immer da. Morgens wenn du dich aus dem Bett quälst, Mittags wenn du lachend die Sonne genießt und auch wenn du Abends weinend im Bett liegst. Sie tanzen fortwährend ihre Choreographie am Himmelszelt. Immer und immer wieder. Nur ist ihr Glanz stehts dem pompösen Auftritt der Sonne unterlegen und so kannst du sie Tags nicht sehen. Im Verhältnis zur Sonne Haben sie nur sehr wenig Kraft und Licht, obwohl es so viele sind. Bahnt die Nacht sich jedoch an, so ist die Sonne schnell besiegt. Sie ist müde denn sie hat den ganzen Tag mit voller kraft gestrahlt und sie kämpft allein. Sie kann sich nicht wehren und wird jeden Abend von der Dunkelheit verschlungen. Die kleinen Sternchen aber die sich ebenfalls den ganzen lieben Tag lang am Himmelszelt getummelt haben, lassen sich von der Nacht nicht beirren. Sie halten zusammen! Wie bei den Menschenkindern gibt es einige, die sind ängstlicher als die Anderen. Sie müssen sich fest aneinanderklammern und sich gegenseitig halten um der Dunkelheit stand zu halten. Ihr Menschen nennt sie Milchstraße. Auch die habt ihr nicht gesehen als die Sonne strahlte obwohl sich dort so viele auf einem Haufen tummeln. Jetzt aber im Verhältnis zur Nacht werden sie sichtbar und können dich mit ihrem funkeln beglücken.“ Cleo lauscht gebannt auf die Worte des Sterns, den sie inzwischen behutsam in ihren Händen hält. „Siehst du, kleine Lady, du und die Sterne, ihr habt viel gemeinsam, deshalb kannst du sie hören. Ihr wisst beide nicht genau was ihr seit, wisst nicht über die Wirkung eures Umfeldes auf euch und wie sehr ihr eure engsten Bindungen braucht. Doch kleine Lady, in der Dunkelheit hast auch du die Kraft jemand anderem Licht zu spenden und ihm den Weg zu leuchten, so wie die Sterne es tun.“ Cleo ist etwas verwundert. Wie kann ein kleiner Stern so viel über sie wissen? Wie kann er ihr nur so viel Licht und Kraft geben? „Danke, du hast mir sehr geholfen“, Flüstert sie dem glänzenden Stern zu „ Aber jetzt geh besser wieder zurück an den Himmel, ehe die Sonne auf geht und du den Weg nicht mehr findest!“ Der Stern löst sich aus den kraftlosen Händen des Mädchens. „Nein kleine Lady, ich werde nicht mehr zurück an den Himmel gehen. Ich sagte doch wir Sterne und ihr Menschen haben viel gemeinsam. Meist sind wir nicht das was wir scheinen. leuchten wie Feuer und sind doch Stein, sind da und doch nicht zu sehen,… Meine Zeit ist gekommen. Viele Jahre habe ich dir, kleine Lady, licht gespendet in der Dunkelheit und dir den Weg geleuchtet, doch erkannt hast du mich nie. Ich war nie der strahlenden Sonne gewachsen und bin nie aufgefallen zwischen all den anderen Sternen. Zuletzt hast du mich am Himmel gesehen, obwohl ich längst nicht mehr existierte. So ist das mit uns Sternen, man kann uns noch leuchten sehen auch wenn es uns längst nicht mehr gibt. Und das, kleine Lady ist unsere größte Gemeinsamkeit. Man kann uns noch sehen obwohl es uns längst nicht mehr gibt!…nicht mehr gibt… nicht mehr gibt…“ hallt es ihr durch den Kopf als ihr langsam die Augen zufallen und ihr Kopf auf die Brust sinkt.
Liebe Grüße Unsichtbar
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