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Metamorphosen

Er kriegt mich er kriegt mich nicht er kriegt mich. Er öffnet die Tür, wie immer halblaut, sodass ich mich nicht erschrecken kann und doch auf der Lauer liege, wenn er kommt. Der Türbereich liegt im Halbschatten, er mitsamt Türspalt ist schwarz, eine Schwärze die sich ausbreitet, bis sie wieder grau und groß wird und in diesem Moment spüre ich nichts, nichts mehr, außer eine wohlige Wärme und helles Licht und mein ganzer Körper ist Licht so hell dass es schmerzt mitsamt den Füßen, die kribbeln, bis ich keine Luft mehr bekomme und wahrnehme, dass ich im nassen Bett alleine liege und es unten leicht blutet. Ich bin ganz leicht.

Ich wische es weg, ein Tuch habe ich mir zurechtgelegt, seit ich greifen kann. Ich nehme meine Trösterpuppe und halte sie unten hin, dann reibe ich sie an mir und nehme sie anschließend in den Arm und den Daumen in den Mund und schlafe ein. Sie ist aus hellbraunem Leinen genäht mit Kopf aus Stoff, trägt zwei mit Kreuzstich befestigte Knopfaugen und einen genähten Mund.

Mutter hat sie mir genäht, glaube ich. Genau weiß ich es nicht, da ich sie erst später sehe. Als sie einmal zu Besuch kommt und mich hochnimmt, strample ich mich frei , weine und laufe weg, denn sie ist mir fremd. Mein Zuhause sind Oma und Opa, der sich Onkel Willy nennt. Opa hat als einziger Zeit für mich, er ist zu Hause, Als ich gerade laufen kann, zeigt er mir im Wald die Vögel und trägt mich herum. Bald wird er dann gebrechlich und bleibt im Haus, die Treppe zum ersten Stock schafft er mit Mühe. In den Garten kommt er nicht mehr, die Stiege ist zu steil. 

Oma backt Kuchen, erste erkenne ich die Gerüche und später die Worte. Es ist Elsässer Zwiebelkuchen oder Topfkuchen, je nachdem, was der Hausgarten hergibt. Oma ist gut zu mir und baut mir eine Baude mit Tüchern im Kohlenverschlag unter der Veranda. Dorthin gehe ich, wenn ich allein sein will, und hüte meine Puppen. Ich packe sie sorgsam in den Puppenwagen und decke sie zu. Stundenlang fahre ich sie im Garten unter Wäschestangen spazieren. Dann lege ich sie in der Baude schlafen, hinter zugezogenem Vorhang.

Ich bin gut zu ihnen. Drei oder vier mögen es sein. Erst wenn sie schlafen, presse ich meine Leisten an die Platte des alten Tisches, der im Verschlag steht. Ich reibe mich an den Kanten der Platte. Ein undefinierbares süßes Gefühl durchströmt mich, woher es kommt, weiß ich nicht, doch es wird immer drängender, so reibe ich mit dem ganzen Bauch über den Tisch, später wird es der elterliche Esstisch sein. Wenn Großmutter zum Essen ruft, zucke ich zusammen, springe auf, sehe noch einmal kurz nach meinen Kindern und renne mit hochrotem Kopf in die Küche. „Na, was hast Du angestellt?“, feixt mich Oma an. Ich antworte nicht, so stellt sie mir Teller und Löffel hin und lässt mich allein. Niemals werde ich ihr vom Tisch erzählen, das habe ich mir geschworen, und von Willy darf ich nicht erzählen, sonst bin ich tot.

Opa kümmert sich um mich. Wenn Oma unten putzt und die Wäsche macht, ist er es, der mich sauber macht. Ich stehe auf einem Hocker vor der Waschschüssel. Sein Waschhandschuh seift meinen Körper ab, bis es kribbelt. Wenn es mir zu viel wird, sage ich: „Geh` weg!“, dann lacht er, streicht mir über den Kopf und macht die Tür zu. Dann schrubbe ich meine Haut, bis sie rot anläuft.

Manchmal nimmt mich Opa auf den Schoß und spielt mit mir, auch wenn andere im Raum sind Ich nehme die anderen nicht wahr. Mein Herz flattert, wenn er mich hart auf seinen Schoß drückt gegen seine Beule, die manchmal nass ist. Er drückt mich, dass es weh tut um die Rippen. Er gibt mit mir an. Ich bin ein hübsches schmales Kind mit knabenhafter Figur und kurzem Schwarzem Haar und blauen Augen.

Mittags legt mich die Oma ins Bett. Manchmal kommt er schon dann und zieht mir die Decke weg. „Psch!“, sagt er dann, „ich bin`s, der Willy.“ Er drängt sich hinein und schmiegt sich von hinten an mich und streichelt uns beide. Wenn er aufgestanden ist, kann ich nicht mehr einschlafen. Ich stehe bald auf und suche meine Puppen. Beim Spielen bin ich müde. Nachts habe ich große Angst, wenn die Tür geht, das Herz rast mir, ich ziehe die Decke bis über den Kopf, weil ich nicht weiß, wer kommt. „Pschhhh mein Kätzele!“ Dann fällt die Angst von mir ab, es ist Willy, der es jetzt derber angeht als mittags. Meist hat er etwas getrunken. Er nudelt sich an meinem Mund ab, bis ich alles von ihm schlucke, dabei streichelt er mich. Wenn ich würge und huste und meine Hals tut weh, gibt er mir ein Glas Wasser und beruhigt mich. Erst dann lässt er mich wieder liegen, geht aber nicht, bevor er mich zu Ende gestreichelt hat. Mir wird hell und warm und wenn er weg ist, kommt die Angst, bis ich endlich schlafe.

Vor Onkel Jürgen habe ich Angst. Er redet nicht. Er zwingt mich zum Stehen und ist schnell und tut mir weh. Mit vier werden mir die Rachenmandeln entfernt, weil sie sich immer entzünden. Ich bin noch nicht verheilt, da kommt er in mir, dass ich wieder über der Nierenschüssel hänge, Blut spucken. Ich habe es von oben gesehen, ihn und mich, klein, aber klar zu erkennen.

Vater kommt nur manchmal. Vor ihm habe ich große Angst. Ich schäme mich, es mit ihm zu machen. Schließlich ist er Willys Sohn. Ich bin doch die Geliebte seines Vaters! Doch dies scheint ihn nicht zu stören, und Willy sage ich nichts. Dann bin ich sicher tot.

Vater hasse ich. Er ist so tollpatschig. Jedes mal macht er mir den Nikolaus kaputt, den Oma mir hingestellt hat, und in diesem Jahr wieder. Es ist ein Körbchen mit Weihnachtsmann, Äpfeln und Nüssen. An Vater erinnere ich mich nicht. Aber an mein Weinen und meine Wut, wenn ich morgens die Äpfel und Nüsse unters Bett gekullert sehe und sie im Dreck zusammensuchen muss. Der Nikolaus ist zerbrochen und mein Bett nass. Zwischen meinen Beinen tut es weh und ist immer Blut. Ich hasse Vater dafür. Aber an die Ostereier kommt er nicht. Die versteckt Oma im Gras. Schnell sammele ich sie ein und verstecke sie sicher in der Baude.

Dann kommt der letzte Herbst im Kindergarten. Der Schatten war heute mehrmals in meinem Zimmer. Er kommt wieder. Sein Hosenstall öffnet sich und ich spiele mit dem Willy, wie er ihn nennt. Er ist wie immer groß und lang für einen alten Mann und warm. Das tröstet dafür, dass ich keine Luft kriege. Willy ist mein größter Trost. Wenn er in mir steckt, bin ich ganz und kann klar denken.

Plötzlich stößt er mich von sich weg. „Du erzählst es keinem, keinem! Hörst Du: Sonst bist Du tot!“ „Ich schwör`s, Onkel Willy, ich sage kein Wort!“ Wieso ist er plötzlich so böse? Ich hab`s ihm doch geschworen? Ob er Angst hat, weil ich lebhafter geworden bin? Er hat ja selbst gesagt, ich bin sein kleines Fräulein geworden. Ich bin traurig und wütend. Er merkt es und greift mich am Hals. „Nur ein Ton und Du bist tot.“ Mein Gesicht ist weiß. Was ist in Willy gefahren? Er hat sich die Hose hoch gerissen und geht. Ich bin wütend. Wütend und traurig, weil Willy mich nicht mehr liebt. Ich weine und weine und bin nicht zu beruhigen. Einige Nächte kommt er nicht und ich bin einsam und habe Angst.

Oma hat gesagt, die Bettlampe ist gefährlich. Einmal habe ich die Birne angefasst und mich daran verbrannt und sie ist schwarz geworden. Onkel hat mich gescholten und sie gewechselt. Da wollte ich in die leere Fassung langen und bekam eine Watsche. „Spinnst Du“, schrie er, „da drin ist der Tod!“ Ich weiß es noch genau. Ich habe einen Plan. Ich schraube die Birne aus der Fassung und stelle die Lampe wieder hin. Eine Nacht liege ich wach und es tut sich nichts. Morgens schraube ich sie wieder drauf und abends wieder ab. In dieser Nacht kommt Willy.

Er denkt wohl, ich schlafe, dabei habe ich mir die Decke fest über den Kopf gezogen. Die Bettdecke bedeckt den Lampenfuß, den ich halte. Er nähert sich und zieht die Bettdecke zurück. Da schnelle ich hoch und schlage ihm die Lampe ins Gesicht. Willy ächzt und schwankt. Blut rinnt seine Stirn hinunter. Er flucht Unverständliches, bevor er hinaustaumelt und die Tür zuschlägt.

Oma kommt hinein. „Bist Du verrückt geworden?“, schreit sie und reißt mich hoch. Ich lande mit einem Hieb auf dem Boden und dann oben in der dunklen Dachkammer. Angst habe nicht, eigenartig, plötzlich lache und lache und gluckse und lache ich, wie ich nie gelacht habe. Das Lachen bricht nur so aus mir heraus. Da geht die Tür auf, und Mutter und Vater stehen vor mir. Papa zieht mir das Höschen herunter und legt mich über einen Stuhl. Zum ersten Mal in meinem Leben spüre ich Stockschläge. Ich spüre und spüre und schweige und werde taub. Plötzlich brennt ein Schmerz in meinem Bauch. „Willy, Willy!,“ schluchze ich unvermittelt, „ich will es nie wieder tun!“. Da lässt Vater ab und Mutter bringt mich ins Bett, wo ich vor Schmerzen nicht schlafen kann.

Zwei Tage später stirbt Opa. Man sagt, es sei ein Schlaganfall gewesen. Ich will zu ihm gehen und darf es nicht. Strampelnd und schreiend werde ich weggetragen und eingeschlossen. Die Haustür fällt ins Schloss. Sie gehen zur Beerdigung, ohne mich. „Willy, Willy, Onkel Willy!“, schreie ich erschöpft weiter und trommele gegen die Tür. Doch die ist stärker, erschöpft und nassgeweint krieche ich in Omas Bett und schlafe ein.

Als ich wach bin, ist alles vorbei, Verwandte kommen, es gibt Rehbraten. Den hat Opa besonders geliebt. Auch noch Rehbraten. Ich liebe die Rehe im Wäldchen gegenüber und ich esse kein Stück von dem Reh und auch nichts von der Soße. Überhaupt esse ich kaum etwas in nächster Zeit. Ich habe Liebeskummer, nach Willy. Onkel und Vater müssen mich nachts mit aller Gewalt festhalten, bevor ich pariere.

Ich habe Willy geliebt. Ich bete zum lieben Herrgott: „Vater Unser im Himmel, verzeih` mir meine Sünden, ich hab` den Willy doch geliebt.“

Der Gang in den evangelischen Kindergarten wird zur Tortur. Ich gehe alleine und muss aufpassen. Mein Herz ist fest und ich sehe nichts wenn ich laufe. Einmal bremst ein Auto ganz knapp. Nebel ist auf meinen Augen. Ich kann ihn nicht durchdringen, außer im Garten im Gebüsch. Das mit Opa hat niemand mitgekriegt, Gott sei dank nicht, Vater würde mich töten. Nur bin ich jetzt alleine und mein Herz brennt vor Einsamkeit. Bald verliebe ich mich in Paul. Paul spielt mit mir so wie der Willy, und bald treiben wir es unter freiem Himmel auf einem Holzstumpf.

Ich werde das Lachen der Kinderschar nicht vergessen, die sich um uns schart. Wir hatten uns ganz vergessen. Die entsetzten Rufe der Erzieherinnen, die uns auseinander drängen. Mutter und Vater haben sie nichts erzählt, außer dass ich mich danebenbenommen habe. Ich muss den Kindergarten verlassen. Paul sehe ich nicht mehr.

Vater und Mutter haben nun endgültig genug von mir und nehmen mich der Oma weg. Sie zeigen mir mein neues Zuhause, ihre Wohnung. Schön ist sie, mit Balkon und Kinderzimmer und einer Krippe darin. Denn sie erwarten Nachwuchs, mein Schwesterchen. Noch muss ich die Ferien über zu Oma, die schon schwach ist, denn Mutter braucht Ruhe. Oma schickt mich auf dem Waldspielplatz. Dort schaukele ich, dass es eine Freude ist. Bein übers Holz und seitlich, nicht wie alle nach vorne und hinten. Ich stoße mit den anderen zusammen und werde ausgelacht.

Ich liebe es auch, mich kopfüber mit Händen und Füßen in den Ringen zu verhakeln. So schaukle ich, bis mein Kopf rot anläuft. Einmal schaue ich in den Wald, da fällt mein Blick auf einen Fremden der hinterm Baum steht und sich nackt sein Teil massiert.

Erschreckt lasse ich die Ringe los, donnere auf den Boden und renne los, bis zur Haustür. Vorbei an Oma haste ich die Treppe hoch, in mein Bett. Sie ruft mich, doch ich höre nicht hin. Ich lege mich ins Bett und streichle mich, bis es mir kommt: „Willy, Willy!“, murmele ich.

Meine Schwester ist das Sonnenscheinchen. Als sie da ist, komme ich nach Hause. Nun steht die Wiege im elterlichen Schlafzimmer, da sie nachts blökt. Sie soll mich nicht stören. Mutter ist zu Hause und kümmert sich. Sie putzt mich heraus für den ersten Schultag, mit Faltenrock, Kniestrümpfen, Lackschuhen und Riesentüte. „Kätzele“ heiße ich jetzt liebevoll auch bei Ihnen.

Meine erste Liebe heißt Jutta Eiger. Sie ist meine Klassenlehrerin. Ich verehre sie, und mein Herz pocht, wenn ihre frauliche Figur den Raum betritt und sie ihre haselnussbraunen Haare nach hinten streicht. Jutta erlaubt mir sogar, mit links zu schreiben, weil ich es mit rechts nicht kann. So werde ich vom gehänselten Kind zur Klassenbesten.

Nun ist auch Vater stolz auf mich. Vater ist jetzt zu Hause, während Mutter wieder arbeitet. Ums Schwesterchen kümmert sich Frau Rufland. Frau Rufland ist Hauspflegerin und hat einen 9-jährigen Sohn, der oft mitkommt. Er ist genervt und brutal. Er füttert die Meerschweinchen mit Malzbier und lässt eines fallen, dass es sich das Genick bricht.

Da bittet Frau Rufland, das Baby bei sich betreuen zu dürfen. Als sie weg ist, bin ich öfter krank. Ich habe Fieber und spucke, bis ich zu Hause bleiben darf. Dann ist Mutter da und hält mir die Hand. Immer geht das aber nicht. Dann hoffe ich, dass Mutter bald kommt. Denn in meinem Zimmer bin ich nicht sicher. Ich habe nichts beobachten können, doch meine seherische Gabe hat mich, seit Opa tot ist, verlassen. Ich sehe nur den grauen Vorhang und die halboffene Tür. Nachbarn hören mich Hemd auf dem Balkon schreien.

Ich bin ein elfjähriges pummeliges Mädchen und habe Angst. Meine Haare sind dünn und speckig, und ich habe X-Beine bekommen. Meine Kusine ist viel hübscher und koketter.

Endlich geht Vater zum Arzt, und später arbeitet er. Ich lerne meine Clique kennen. Unser heimlicher Treffpunkt ist der Bauwagen. Eigentlich ist er ein als Futtertrog genutzter abgetakelter, nach Kuhmist stinkender Anhänger, der auf der Weide steht. Die Mutprobe steht an. Wer den Kuhzaun nicht anfasst und den Schlag aushält, darf nicht in die Bande. Die Bande, das sind Pamela, Matze, Gerti, Claudi und wenn ich es schaffe, ich. Ich schaffe es nicht. Da macht Matze als Anführerin eine Ausnahme. Wie bei Winnetou ritzen wir uns und machen auf Blutsbrüderschaft. Ich bin nun Bandenmitglied.

Eines Tages entdecke ich das Erbe eines Bauern unterm Sitz des Wagens: Alte Pornoheftchen. Wir tauschen sie heimlich. Keiner weiß wo sie herkommen. Das ist unser Eid. Als sie auffliegen, fliegt die Clique trotzdem auf. Ich werde ins Gymnasium versetzt und sehe die vier nicht mehr.

Immerhin sind wir etabliert. Beide Eltern arbeiten jetzt, so gibt es Brötchen statt wie früher Haferbrei mit einem Klecks Marmelade zum Frühstück. Der Kühlschrank ist voll, vorbei die Zeiten, als Mutter mir befahl: „Iß` den Teller auf!“ Heimlich stellte ich mir immer vor, wie Porzellan schmeckte, während es an meinen Zähnen knirschte.

Nachts stehe ich nun am Kühlschrank und schlinge Dinge wahllos in mich hinein. Natürlich kaschiere ich halb leere Packungen und füllte die Saftflaschen mit Wasser auf, wie ich es von Hanni und Nanni gelernt habe. Doch der Schwindel fliegt irgendwann auf, Schläge gibt es nun nicht mehr, nur Ermahnungen, wir schreiben das Jahr 75.

Mama und Papa rennen nackend durch die Wohnung. Ich darf nicht Mama und Papa sagen, wir nennen uns beim Vornamen. Ich bin alleingelassen, aber glücklich, obwohl auch mein neuer Freund Schluss mit mir gemacht hat. Wir ziehen um in unser erstes Haus.

Noch immer hasse ich Schulwege. Unter langen dünnen Haaren versteckt renne ich ihn entlang, Angst, einem Spiegel zu begegnen oder Jungs, die rufen: „Schau nur die Dicke! Bei der hängt nicht nur die Schultasche!“

Ich schließe mich im Zimmer ein und sehe Geister. Habe Angst die Tür öffnet sich, doch sie bleibt zu. Eine Freundin klingelt. Ich habe Panik und verstecke und verleugne mich. Bis heute habe ich in meinem Schlafzimmer Herzrasen und Panik. Dann kommt Willy, und sein Schatten wird mich nie verlassen. Ich lege mich auf mein Bett, denke an ihn und entspanne mich. Dies hilft sofort, wenn auch nur vorübergehend.

Im neuen Haus reibe ich mich des öfteren am Esstisch. Ich bin 17 und der Stolz der Familie. Kätzele soll studieren, denn sie ist gut in der Schule. Ich komme gut mit, wenn auch nicht als Klassenbeste. Zu meinen Mitschülern habe ich kaum Kontakt.

Zunächst absolviere ich eine Hotellehre. Sie bieten Kost und Logis. Das reicht mir, ich bin weg.

Im Studium holt mich der Nebel ein, und später in der Redaktion. Nach der Kündigung finde ich nicht sofort einen Job. Ich schaue in die Zeitung und werde fündig. „Hostessen gesucht bei gutem Verdienst“, steht da. Die Chefin mustert mich. Ich entspreche dem Durchschnitt. Sie testet mich. Mein erster Kunde ist ein alter Mann. Ich habe den Job, nach 20 Jahren, noch heute.


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