|
Letzten Sommer (2006) hatte ich 6 Wochen lang keine Therapie, wegen den Sommerferien. Ich hatte schon vor den Ferien totale Panik, wusste nicht, wie ich das überstehen sollte. Die ersten Wochen hielt ich mich mit Internetfreunden und r*tzen über Wasser. Aber es ging weiter runter und weiter und weiter und ich wollte nicht mehr. Die Suizidgedanken wurden immer schlimmer und ich sah auch keinen Grund mehr, dagegen anzukämpfen. Eine Freundin von mir (die mir in den Wochen geholfen hat) sagte, ich solle doch versuchen, in die Klinik zu gehen. Eigentlich war geplant, dass ich am Ende der Ferien, nach einem Besuch bei dieser Freundin, in die Klinik gehe. Sobald ein Platz für mich frei wird. Meine Therapeutin wusste von diesem Vorhaben nicht wirklich etwas. Aber eben, in den Ferien (die 6 Wochen dauern) wurde es immer schlimmer, und als meine Freundin dann auch noch absagte, ich sie nicht besuchen konnte, ist es endgültig zu viel geworden für mich. Ich bin zu Anfang der Ferien schon beim Arzt gewesen, hatte mir alleine eine Überweisung ausstellen lassen, als es dann langsam in Richtung 1. Gespräch ging, bin ich zu meiner Mutter und habe ihr die Überweisung gezeigt. Sie ist total ausgerastet, hatte mich geschimpft ob ich spinne, alleine zum Arzt und jetzt auch noch Psychiatrie. Ich hab total Angst vor ihr bekommen... Zum Gespräch sind wir dann als komplette Familie so nach "Friede-Freude-Eierkuchen" - Wir sind die perfekte Familie... Es war schrecklich!! Ich konnte nicht reden, während Mama und Papa da waren. Zu der Zeit dachte ich, es würde mir gut tun, in die Klinik zu gehen. Die Therapeutin sagte mir, dass ich (das war noch bevor der Urlaub abgesagt wurde) nach dem Urlaub auf der Warteliste für einen Termin stehe, allerdings auch sofort gehen könnte. Ich hatte noch fest mit dem Urlaub gerechnet, hatte mich für ende Ferien "angemeldet". Als der Urlaub abgesagt war, ich nur noch ans sterben dachte, habe ich auf Station angerufen und gefragt, ob ich früher kommen kann. Eine Woche später war ich also auf der Station. Meine Mutter war entsetzt, dass alle Türen verschlossen waren. Sie wollte mich gar nicht mehr loslassen. In dem Aufnahmegespräch hatte ich alles erzählt, nur um möglichst lange von meinen Eltern weg zu bleiben. Hatte ja nicht gewusst, wie schlimm es für mich wird. Für mich ist es ganz schrecklich, wenn viele Leute - vor allem Jugendliche - um mich rum sind. Neben mir waren noch 10 andere Jugendliche - 2 Mädchen und 8 Jungs - auf Station. Es war für mich einfach nur die Hölle. Ich durfte nichts entscheiden, hatte über eine Woche lang niemanden, mit dem ich reden durfte. Meine Zimmer-Mitbewohnerin erzählte mir grausame Geschichten was sie alles mit sich angestellt hatte, und die anderen Jugendlichen fanden mich schrecklich, weil ich freiwillig gekommen bin. In der ersten Nacht hatte ich Heimweh nach meinen Freunden, mir fehlte das Telefonat am Abend, mir waren zu viele Leute, und dass jemand in meinem Zimmer geschlafen hat war für mich schier unerträglich. Ich traute mich nicht, mich zu bewegen, weil ich Angst hatte, sie würde aufwachen. Als ich dann so schrecklich weinte, bin ich lieber raus gegangen, um sie nicht aufzuwecken. Die Nachtwache machte mir heiße Milch mit Honig und tröstete mich ein wenig. Am nächsten Morgen fragte mich meine Zimmer-Mitbewohnerin, wo ich Nachts so lange war. Als ich sagte, ich wäre bei der Nachtwache gewesen, war ich für sie unten durch. Ich hätte mich sozusagen damit auf die Seite der Betreuer gestellt, und nicht auf ihre. Was mir in dem Moment aber gar nicht bewusst war. Ich wollte ja nur, dass mir jemand Hilft - aus diesem Grund war ich schließlich in die Klinik gegangen. Zudem war ich für alle auf Station nur die viel zu brave, die nicht mal raucht. Am Donnerstag (Montag bin ich "eingezogen") kamen meine Eltern mich besuchen. Wir sind essen gegangen, und ich musste mir mal wieder ihre Sorgen anhören. Ich war allerdings recht froh, ein bisschen an der frischen Luft zu sein. Den ganzen Tag nur drin zu sein war ich zwar von zu Hause gewohnt, aber da saß ich im Sommer oft am komplett geöffneten Fenster. Das erste Wochenende musste ich auf Station verbringen und es war geplant, dass mein Bruder mich am Sonntag für 2 Stunden besuchen kommt. Ich wollte ihn einfach ein bisschen sehen... Normal haben wir ein gutes Verhältnis zueinander. Am Samstag habe ich mich mit der Betreuerin die Dienst hatte ein wenig unterhalten. Sie wollte wissen, warum ich hier bin und so. Dass es auf Station keine Schweigepflicht gab, wusste ich nicht. Als ich andeutete, was mein Bruder mit mir gemacht hat, sagte sie, wenn das die Wahrheit ist, darf er mich nicht besuchen kommen, sie würde ihn sofort anrufen und der Kontakt ist sofort unterbrochen. Zusätzlich geht sie sofort zur Therpeutin und erzählt es ihr. Daraufhin erklärte ich ihr, dass ich das alles nicht mitmache, ich meinen Bruder sehen will und nichts mit der Therapeutin zu tun haben will. Damit war das Thema für mich gegessen, ich habe es auf Station nie mehr angesprochen. Denn alles, was ich erzählt habe, wurde brühwarm meinen Eltern erzählt. Dabei ist Schweigepflicht doch extremst Wichtig für mich... Als mir gesagt wurde, dass ich keinen Kontakt zu meiner Freundin haben darf, habe ich in mir drin beschlossen, nicht mehr mitzuarbeiten und nach Hause zu gehen. Am 2. Wochenende durfte ich nach Hause gehen. Meine Mutter erzählte mir auf dem Heimweg, dass ich nicht ins Internet darf aber dass ich das ja schon weiß. Ich wurde wie ein Junkie behandelt, wurde die ganze Zeit beobachtet. Mein Bruder hat meinen und seinen PC so umgestellt, dass man nicht mehr ins Internet konnte. Dabei war mir das relativ egal. Ich habe trotzdem mit meiner Freundin Kontakt gehabt - Pech gehabt! - und mit ihr beraten, ob ich nach Hause gehen soll oder nicht. Am Sonntagabend - als ich wieder dort war - habe ich allen gesagt, dass ich nach Hause gehe. Am Montagabend bin ich abgeholt worden. Meine Mutter hat eine Erklärung unterschrieben, auf der stand, dass ich gegen ausdrücklichsten Therapeutischen und Ärztlichen Rat entlassen werde und wenn etwas passiert, das alleine auf Mamas Verantwortung geht. Sie hätte alles unterschrieben, um "ihre kleine Süße" wieder zu Hause zu haben. Die Leute von dort vermisse ich schon ziemlich, und meine Bezugsmama auch... aber sonst... niemanden. Es war einfach nur schrecklich für mich und ich will da nie wieder rein!!! Leider sind die für mich zuständig... aber nein danke!!! Freiwillig geh ich auf alle Fälle nie mehr hin... Zu sehen, wie die einen behandeln, wenn man ein bisschen austickt... da bekommt man Echt angst was man sagt/wie man sich verhält... Zum Schluss wird man selbst auf dieses Bett geschnallt und mit Tabletten vollgeknallt.
|