Ich möchte mich hier ganz herzlich bei Irene dafür bedanken, dass sie mir diesen Text für die HP zur Verfügung gestellt hat. Dieser Text zeigt, wie wichtig es auch für die Partner von Überlebenden ist, sich Hilfe zu suchen.
Alles Liebe
jK
Ein Hallo an alle,
nun möchte ich zu dem Thema einfach mal meine momentanen Erfahrungen in den Raum stellen.
Ich hatte mittlerweile noch einige Beratungstermine und vor ein paar Wochen habe ich von mir aus vorerst mal gestoppt. Wobei ich gleich auch abgeklärt habe, daß ich jederzeit auch wieder Termine ausmachen kann, wenn ich das Gefühl habe, ich brauch Unterstützung von aussen.
In dieser gesamten Zeit habe ich gemerkt, daß ich sehr viel an mir selbst gearbeitet habe - ich spüre sogar, daß ich mich wieder zu einem großen Stück selbst gefunden habe. Ich kann abermals nur klar für Verbündete äußern: seid so stark und holt euch in irgendeiner Form selbst Hilfe in diesen auch für euch schweren Zeiten! Wenn auch eure Umwelt zu euch sagt, daß ihr alles zu eng seht, daß sie nicht verstehen können, was ihr grad habt, denn ihr seid ja nicht betroffen (traumatisiert), dann lasst euch nicht unterkriegen und sucht trotzdem! Es wird sicher irgendjemanden geben, der euch versteht.
Eigentlich sollte es (ich kann es nur wiederholen) ganz selbstverständlich sein, daß Partner, Kinder........von Traumapatienten wirklich mitbetreut werden. Aber leider sind diese Personen von allem oft ziemlich ausgegrenzt, müssen mit ihren Ängsten und Sorgen allein klar kommen und werden eher mit verständnislosen Blicken angeschaut, wenn man diese anfängt zu äußern.
Ich möchte auch eine Bitte an alle Betroffenen äußern: Ich weiß, wie schwer es für euch selbst ist, mit allem und euch klar zu kommen. Aber bitte nehmt es auch ernst, wenn direkte Verbündete von euch auch äußeren, daß sie selbst Hilfe brauchen, da sie sich unsicher fühlen und Ängste in sich tragen.
Derweil ist es für Verbündete auch viel einfacher, seinen Partner besser zu verstehen, besser auf ihn einzugehen, wenn sie fachliche Unterstützung bekommen. Und sie fallen mit ihren Ängsten lang nicht so tief. Grad in Familien/Partnerschaften mit Kindern können sonst Verhaltensweisen, die der/die traumatisierte öfter lebt (man kennt es ja von vorher nicht), sehr verletzend für den Rest der Familie sein, denn man weiß ja nicht, warum sich der andere so verhält. Den Kindern fehlt der gesunde Elternteil an allen Ecken und Enden, es entstehen Wut, Frust, null Bock bei ihnen, denn woher sollen sie mit allem klar kommen.
Ich habe selbst erlebt, wie schwer es für uns die erste Zeit war. Es gab Zeiten, die geprägt waren von Frust, Resignation, Mißverständnissen, Rückzug, nicht Kommunizieren können........ Wie gesagt, ich habe viel Reden, Tränen, Suchen etc. gebraucht, bis mein Freund selbst auch eingesehen hat, daß es genauso wichtig ist, daß auch ich mit all meinen Ängsten ernst genommen werde. Seit ich selbst dann auch mit in einem Paargespräch war, ist das Ganze in's Rollen gekommen. Ich konnte mir selbst Hilfe holen, ich konnte ihm klar sagen, daß ich nicht seine Krankenschwester sein kann, sondern seine Partnerin sein möchte, die das Ganze mit ihm gemeinsam trägt. Ich konnte mir selbst wieder eine andere Position geben, die mir nicht alle Energien entzogen hat. Ich konnte für meinen Freund und seinen Sohn offener sein, denn ich habe nicht mehr alles allein geschultert. Auch wenn er sich zuerst noch bei der Veränderung gesträubt hat, mein Freund hat sich mit der Zeit darauf eingelassen und wir haben eine völlig andere Ebene füreinander gefunden.
Auch wenn die Außenbedingungen immer noch dieselben sind: wir warten immer noch auf das Gericht; er hat immer noch Schmerzen, die manchmal unerträglich sind;wir hoffen immer noch, daß er bald, nachdem das Gericht vll. mal nen Gutachter benannt hat, in Thera kann; wir hoffen immer noch, daß diese ganzen finanziellen Sorgen, die seitdem herrschen, irgendwann mal ein positives Ende finden... - wir haben dadurch, daß ich nicht nachgegeben habe, daß ich auch Hilfe brauche, endlich eine kleine Welt, in der wir alle auch ein klein wenig aufatmen können, in der wir uns fallen lassen können, in der wir den Kindern wieder ein klein wenig Halt geben können, in der wir alle auch etwas Ruhe finden können.
Liebe Grüße an alle
Irene