
Er war für mich viel mehr, als nur ein Hund. Von ihm habe ich so viel über Verhalten, Prägung, Panikattacken und Verhalten bei Ängsten gelernt. 8 Jahre lang war er ständig an meiner Seite und spürte immer eher als ich, wenn es mir nicht wirklich gut ging.
Er war mir das Wichtigste, das es mitzunehmen galt, als ich vor 3 Jahren aus meiner Ehe und unserem Hof, hier nach Koblenz flüchtete.
Ich denke oft, ich fühlte mich mit ihm so verbunden, weil er auch ein Opfer
"frühkindlichen Mißbrauchs"
und der emotionalen Blindheit von gewissenlosen Menschen war. Er litt lebenslang darunter, hatte große Verhaltensprobleme, Verlustängste und hat niemandem wirklich vertrauen können, Bis an sein Lebensende hat er nur mir und die letzen 2,5 Jahre auch Zimon richtig vertraut.
Wir wollten uns ein paar schöne Tage in der Eifel machen. Es war wunderschön, am 04.März fiel richtig viel Schnee.
Momo liebte Schnee, den es leider hier in Koblenz nicht wirklich gab.
Er tobte noch mal richtig, 2 Tage lang im Schnee mit seiner Tochter herum. Am Morgen des 06. März ließ ich die Hunde morgens hinaus, in den großen Garten und als ich kurze Zeit später nach den Beiden schaute, lag Momo tot dort.
Es war ein Schock, denn damit hatten wir nicht gerechnet, es gab vorher keine Anzeichen, daß irgendetwas nicht in Ordnung war.
Ein Trost ist für mich, daß er völlig schmerzlos, durch einen Hirnschlag starb, es gab keine Anzeichen von Krämpfen oder einem Todeskampf.
Wir haben Momo auf dem Hof meines Ex-Mannes begraben, dort wo er 5 Jahre lang zu Hause war und sich wohl gefühlt hat.
Ich habe Momo mit seinem Bruder zusammen zu mir geholt, als er 11 Wochen alt war.
Er saß in einer Kiste, die mal gerade ca. 1,5 qm groß war und hatte diese Kiste noch nie verlassen. Es war zwar sauber und die Welpen waren auch gut gefüttert worden. Jedoch kannten sie nichts, außer dieser Kiste. Völlig ohne Aussenreize waren sie bisher aufgewachsen und die beiden Kleinkinder, die im Haushalt lebten konnten in diese Kiste hinein klettern und durften mit den Welpen "spielen".
Dies alles hatte verheerende Auswirkungen für Momo, sein Bruder war etwas
besser dran ud hatte das anscheinend besser verkraftet. Seinen Bruder gab ich mit 4,5 Monaten ab an ein liebevolles Ehepaar.
Momo blieb bei mir und die ersten Monate waren sehr anstrengend für ihn und mich. Raus gehen war unmöglich, denn Momo pappte dann nur am Boden und war durch Nichts zum aufstehen zu bewegen. So wurde die Küche, als sein Reich eingerichtet, dort hielt sich fast 24 Stunden am Tag jemand auf und es war nicht weiter schlimm, wenn er dort hin machte, denn der Boden ließ sich leicht reinigen.
Anfassen war ihm sehr unangenehm, beim kleinsten Geräusch verschwand er in das Körbchen, sein sicherer Ort, wo ihn keiner belästigte und er seine Ruhe hatte.
Die Familie hatte Anweisung, ihn zu ignorieren, wenn die Kontaktversuche nicht von ihm aus gingen. Es dauerte Monate, bis er sich in der Küche sicher fühlte und unbeschwert herum lief. Wie oft habe ich in der Zeit gehört, ich solle diesen Hund besser einschläfern lassen, doch ich war sicher, ihn zu einem lebenswerten Leben führen zu können und sein volles Vertrauen zu gewinnen.
Mit etwa 5 Monaten konnte ich ihn mit nach draußen nehmen und er folgte mir auf Schritt und Tritt. Innerhalb von wenigen Tagen war er absolut stubenrein. Mit einem halben Jahr spielte er zum ersten Mal und bellte die Pferde an.
Er wurde immer sicherer und lernte auch Auto fahren, wenn ich täglich die Koppeln abfuhr. Mit etwa einem Jahr zeigte er mir dann, was für ein toller Hütehund in ihm steckte und brachte mir die Pferdeherde zur Kontrolle an den Zaun. Dabei blühte er richtig auf. Mittlerweile war auch das Auto für ihn ein sicherer Ort, wo er hin flüchten konnte, wenn ihm etwas nicht geheuer war. Ich ließ die Autotüre immer offen, wenn wir im Wald oder auf den Koppeln zu tun hatten.
Er ist niemals weg gelaufen, war immer in meiner Nähe. Waren fremde Menschen
bei mir, ging er auf Abstand oder ins Auto und beobachtete aus der Ferne.
Anfassen ließ er sich bis zum Schluß von keinem Frenden, außer in seiner gewohnten Umgebung, nach Prüfung auf "Gefährlichkeit".
Kleine Kinder hielt er lebenslang für unberechenbar. Meinen Enkel hat er beobachtet und der war das erste Kind, von dem er sich voriges Jahr anfassen ließ und das wohl für ihn keine Bedrohung dar stellte.
Für mich war Momo immer "The best Collie of the World", das sagte ich oft zu ihm und mit den Jahren kannte ich ihn, seine Mimik, seine Körpersprache ganz genau. Auf ihn konnte ich mich immer verlassen. Auf dem Hof schlug er
zuverlässig an, sobald irgendetwas nicht Ordnung war. Sei es, ob ein Pferd etwas hatte, ein Lamm im Zaun hing oder die Zäune kaputt waren. Dieser Hund bewies mir immer wieder, wie intelligent er war und daß er denken konnte.
In meinem Herzen lebt er weiter und hat für immer seinen Platz. Ich hoffe, daß es ihm gut geht, da wo er jetzt ist und er nie mehr unter solch dummen Menschen leiden muß, wie es ihm im Leben mehrmals ergangen ist.
Ich weiß, ich werde ihn wieder sehen, wenn auch ich irgendwann einmal über die Regenbogenbrücke gehe .....
Machs gut Momo und mein Dank aus tiefstem Herzen, für 8 wundervolle Jahre mit Dir an meiner Seite.
jK
Eines der letzten Fotos von Momo im Schnee