|
Hallo Ihr Lieben, möchte Euch hier einmal meine Erfahrungen in und mit der Psychiatrie erzählen. Es ist zwar schon sehr lange her, doch zu meinem Erstauen stelle ich immer wieder fest, dass sich Vielerorts leider nicht viel geändert hat. Tja, ich war 18, hatte meine Lehre geschmissen, arbeitete nachts in einer griechischen Kneipe mit Imbiss und fand das Leben mehr Scheisse als gut. Ich lebte mit meinem damaligen Freund zusammen, ein psychisch sehr labiler Mensch, neurotische Züge, im Heim aufgewachsen, weil seine Mutter nicht in der Lage war für ihre 8 Kinder zu sorgen. Ich selber fand mich sehr merkwürdig und wusste eigentlich nie, was ich wollte, weil ich wie schon gesagt alles Kacke fand. Damals wusste ich natürlich noch nicht einmal, warum das so ist. Eines Tages dachte ich, ich könnte evtl. schwanger sein, weil meine Periode ausblieb........ Ich erzählte das meinem Freund und der lief weg, zu seinem Erzieher (und seiner Frau) aus dem Heim, die in der Nähe wohnten. Die haben ihm dann rasch klar gemacht, wie schlecht ich für ihn bin und rieten zur Trennung, das teilte er mir noch am gleichn Tag mit. Nu ja, da sass ich nun abends alleine mit mir und vielen miesen Gedanken. Ich wollte auf keinen Fall wieder zu meinen Eltern zurück, soviel war mir klar. Also versuchte ich mit ner Flasche Wein und 2 Döschen Tabletten (Psychopharmaka von meinem Freund) den Gedanken zu entfliehen und schrieb ihm ziemlich bedröhnt nen Brief, wo drin stand was ich dachte und fühlte..........alles Scheisse, eben....... Natürlich wirkten die Drogen irgendwann und ich schlief ein. Ich wurde am nächsten Morgen wach, als jemand versuchte, mir den Finger in den Hals zu stecken..........und biss zu Mein Freund hatte mich wohl zeimlich fest schlafend gefunden und seinen Heimerzeiher zur "Hilfe" geholt. Na ja, es ging alles ziemlich schnell, ich wurde mit nem Bademantel bekleidet in das nächste Krankenhaus verfrachtet. Ich war ein sehr rebellischer Teenager und so fluchte und tobte ich im Krankenhaus rum und wollte wieder heim. Ich weigerte mich, mir den Magen auspumpen zu lassen, weil es mir gut ging. Man stellte mich vor die völlig absurde Wahl, entweder Magen auspumpen (anscheinend als erzieherische Massnahme) oder man würde mich in die geschlossene Psychiatrie bringen.........mmh, ich liess mir den Magen nicht auspumpen und wurde nach Düren in die geschlossene Psychiatrie, Station FK 1, gebracht. Im Krankenwagen wurde ich von 2 Pflegern "bewacht", die mir eine Flucht unmöglich machten. Auf der geschlossen Frauenstation, fiel ich aus allen Wolken, dort liefen fast ausschliesslich "Medikamentenzombies" rum, es war ein erschreckendes Bild das sich mir bot. Ich weigerte mich Medikamente zu nehmen und wollte auch keinen Kontakt zu meinen Eltern, die natürlich informiert worden waren. Zum Glück lernte ich einen jungen Pfleger kennen und der machte mich darauf aufmerksam, dass ich besser eine sogenannte "Freiwilligkeitserklärung" unterschreiben würde, denn sonst gelte ich als Zwangseinweisung und hätte keinen Einfluss mehr auf meine Aufenthaltsdauer. Dank ihm war ich sehr schnell wieder draussen. Besonders entsetzt hat mich der behandelnde Psychologe(kann auch ein Psychotherapeut gewesen sein) der einmal am tag durch einen Hintereingang auf die Station kam und Einzelgespräche führte. Er wedelte mit meinem vermeintlichen Abschiedsbrief vor mir rum und wollte wissen, warum ich mich umbringen wollte..........wollte ich ja gar nicht, hatte ich nie vor........ich beschimpfte ihn, sagte ihm, er habe ja keine Ahnung, was sonst so auf der geschlossen Station ablaufen würde und von mir schon gar nicht....Es waren keine guten Gespräche und die Zustände auf der Station zermürbten einen. Wenn man eine Zigarette rauchte, dann wurde man verfolgt, weil mehrere den Stummel ergattern wollten. Tätliche Angriffe von Patienten auf andere Patienten waren alltäglich. Genauso das Fixieren und medikamentöse Ruhigstellen der Patienten. Eine jugendliche Mitpatienten war gerichtlich dazu verurteilt mehrere Jahre auf dieser Station zun verbringen, sie wurde jede Nacht fixiert. Das Verhältnis vom Pflegepersonal zu den Patienten war sehr kühl und überheblich, sie schienen ständig Angst vor Übergriffen zu haben. Ich beschloss diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen und nie mehr freiwillig zurück zu kehren...... Nach 2 Wochen bin ich entlassen worden, weil ich das kleinere Übel, die Rückkehr zu meinem Elternhaus in Kauf nahm...... Natürlich wurde mein Psychiatrieaufenthalt von meiner Familie totgeschwiegen.......... Vor einigen jahren habe ich mich getraut mal meine Mutter zu fragen, ob es eine Diagnose gab..........Sie sagte mir, der Arzt habe ihr gesagt, ich sei schizophren .
Alles Liebe jK
Hier findet Ihr noch mehr Klinikerfahrungen von Usern
|