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In einiger Entfernung sehe ich eine kleine Gestalt zusammen gekauert am Wegesrand sitzen, neben Ihr liegt ein riesiger Lebensrucksack. Zwischendurch steht sie auf und versucht den schweren Rucksack zu heben, zu tragen, zu schieben und hinter sich her zu ziehen, doch der Rucksack bewegt sich kaum. Aussichtslos erscheint dieses Bemühen. Aus dem Rucksack dringen merkwürdige und unheimliche Geräusche. Als ich näher heran komme, sehe ich daß das kleine helle Wesen fast ganz nackt ist, nur wenige dünne Kleiderfetzen hängen an ihr herunter und zeigen ein furchtbar ausgemergeltes Körperchen. Das Gesichtchen wirkt zerbrechlich, fast wie Porzelan. Die dunklen Augen funkeln mich wachsam an und mit brüchiger Stimme sagt sie zu mir "Kann ich Dir vielleicht irgendwie helfen?" Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf, warum möchte dieses kleine Wesen ausgerechnet mir helfen, vor allem wie könnte sie das überhaupt, wo sie doch anscheinend selber so dermaßen überfordert scheint. Ich bleibe stumm und setze mich langsam neben sie. Der Rucksack bewegt sich und es knurrt, faucht und grollt leise aber sehr gefährlich klingend daraus. Doch anscheinend hat die Kleine keine Angst davor und so bleibe ich sitzen und wir starren uns wortlos an. Seltsam vertraut erscheint mir diese kleine hübsche und so verletzlich wirkende Gestalt. Langsam rückt sie näher und bricht das Schweigen mit dem Satz: "Ich habe gehofft, Du würdest endlich mal stehen bleiben und mich sehen". Erstaunt frage ich:"Wie jetzt Du kennst mich etwa?" "Oh ja, aber natürlich erwidert sie", dabei flattert ihre Unterlippe und eine Träne rinnt Ihr langsam über die Wange.. "Du bist doch schon so oft hier an mir vorbei gelaufen, aber Du warst immer beschäftigt und hattest keine Zeit!" Ich mußt heftig schlucken und frage mich, wie ich sie übersehen konnte. Sie ist zwar klein, aber aber doch gut zu sehen und vor allem zu spüren. Das wird mir gerade in dem Augenblick bewußt, daß ich sie fühlen kann. Es fühlt sich schmerzhaft an, unendlich müde und ausgelaugt, so wie sterben oder etwas fast Totes. "Was hast Du da in dem Rucksack denn drinnen, das macht mir ein sehr ungutes Gefühl?" frage ich sie zögernd. "Das weißt Du doch, was das ist..?" antwortet sie. "Jedesmal, wenn Du hier vorbei gekommen bist, hast Du mir etwas hingeschmissen und ich habe es aufgehoben für Dich und in den Lebensrucksack gepackt. Ganz selten hast Du auch mal etwas wieder mitgenommen, aber nie viel." Vorsichtig nähere ich mich dem Rucksack, einen Blick möchte ich doch hinein werfen, obwohl mir wirklich mulmig dabei ist. Ich öffne ihn vorsichtig und es ist abgrundtief häßlich und eckelig, was ich dort drin sehe... Wut, Trauer, Schmerz, Hoffnungslosigkeit, Gehässigkeit, Gemeinheit und Neid schwappen mir brummend und glubbernd entgegen. Erschrocken schließe ich ganz schnell die Klappe wieder und schaue die kleine Gestalt entsetzt an, sie schaut mich ebenso entsetzt an. Anscheinend erwartet sie, daß ich etwas sage, doch es schnürt mir die Kehle zu. Ich hatte ja nicht geahnt, daß es so grauenvoll und viel ist, was die kleine Gestalt da anscheinend von mir aufgebürdet bekommen hat. "Erkennst Du mich noch immer nicht?" fragt sie und es klingt Verzweiflung in Ihrer Stimme mit. Ich kann noch immer nichts sagen und überlege fieberhaft, in welcher Situation und wo ich mich wohl gerade befinde. "Das was da alles in dem Rucksack drinnen ist, das hast Du von anderen bekommen und es es behalten. Von mir hast Du immer mehr mitgenommen und es freizügig verteilt, meine Flügel, meine Kleider und meine Nahrung..." So langsam dämmert es mir, wen ich da gerade vor mir habe und vorsichtig frage ich die kleine Gestalt"Wo sind denn die Hoffnung, die Fröhlichkeit, das Lachen, das Glück und die Kraft?" "Na, wo sollen die schon sein?" erwidert die kleine Gestalt kraftlos aber sehr empört."Das was davon noch übrig ist, das ist ganz unten drin im Lebensrucksack." © by jK Koblenz den 10,12,2009
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